Januar 2020 – Verklebter Falke


Verklebter Falke 
. und wieder einmal fehlen uns die Worte !!!!

Mitte Januar 2020 wurde dem Tierschutzverein Kelsterbach e. V. ein verletzter Turmfalke gemeldet. Die Finder konnten den Vogel sichern und nach Kelsterbach bringen. Schnell war die FALKNEREI der Ronneburg kontaktiert und ein Transport dorthin organisiert.

Wir können es nicht in Worte fassen, was uns durch den Kopf geschossen ist, als wir uns den Falken in dem Karton angeschaut haben. Das Gefieder des armen Vogels war komplett verklebt – als ob er in einen Topf mit flĂŒssigem Kleber reingefallen ist.

Hinweise zu der „Taubenabwehrpaste“, die inzwischen bundesweit von SchĂ€dlingsbekĂ€mpfern eingesetzt wird, gibt der NABU Leibzig:

„Die Paste sieht aus wie farbloses Silikon und sie wird inzwischen bundesweit von SchĂ€dlingsbekĂ€mpfern eingesetzt. Sie wird auf GelĂ€nder, Dachrinnen oder andere Stellen aufgetragen, an denen sich Vögel niederlassen. Diese Abwehrpaste ist klebrig, das soll verhindern, dass Vögel landen. Doch diese vermeintlich harmlose Idee geht nicht auf: Die Paste ist ein tödlicher Kleber. Der NABU fordert deshalb alle auf, diese Vogelabwehrpaste auf keinen Fall zu verwenden!

Vögel, die auf der Paste landen verkleben sich die Krallen. Bei der Gefiederpflege verteilen sie den Klebstoff in ihrem Gefieder, wodurch sie flugunfĂ€hig werden. Wenn sie nicht rechtzeitig gefunden und gesĂ€ubert werden, endet das fĂŒr die Tiere tödlich. Auch in Leipzig wurden bereits verklebte Vögel gefunden, aber auch in anderen deutschen StĂ€dten. Der NABU Leipzig konnte zehn verklebte Tauben mĂŒhevoll reinigen und ihnen damit das Leben retten. Ein Turmfalke, eine Kohlmeise, ein Mauersegler sowie 18 Tauben sind hingegen verendet oder mussten eingeschlĂ€fert werden. Wenn kleinere Vögel auf der Paste landen, können sie sich nur schwer befreien und sterben qualvoll. So bleiben zum Beispiel auch Schwalben an der Paste hĂ€ngen, ebenso sterben an dem Kleber zahllose Insekten.

Hersteller der Vogelabwehrpaste vermarkten sie als harmlos, doch das ist sie nicht. Nach Auffassung des NABU Leipzig ist die Verwendung rechtswidrig, denn Klebefallen sind ungesetzlich! Laut Tierschutzgesetz ist es verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder SchĂ€den fĂŒr Wirbeltiere verbunden ist. Auch das Bundesnaturschutzgesetz verbietet den Einsatz von Klebstoffen sowie das SchĂ€digen oder Töten von Vögeln.

Rechtlicher Hintergrund

Bundesartenschutzverordnung
§ 4 Verbotene Handlungen, Verfahren und GerÀte
(1) Es ist verboten, in folgender Weise wild lebenden Tieren der besonders geschĂŒtzten Arten und der nicht besonders geschĂŒtzten Wirbeltierarten, die nicht dem Jagd- oder Fischereirecht unterliegen, nachzustellen, sie anzulocken, zu fangen oder zu töten:
1. mit Schlingen, Netzen, Fallen, Haken, Leim und sonstigen Klebstoffen,

Bundesnaturschutzgesetz
§ 44 Vorschriften fĂŒr besonders geschĂŒtzte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten
(1) Es ist verboten,
1. wild lebenden Tieren der besonders geschĂŒtzten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschĂ€digen oder zu zerstören

Tierschutzgesetz
§ 13 (1) Es ist verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder SchĂ€den fĂŒr Wirbeltiere verbunden ist.“

Weitere Infos findet ihr hier:
https://www.nabu-leipzig.de/
/arbeitskrei
/vogelabwehrpaste/

(Anja Eckert, Tierschutzverein Kelsterbach e.V.)

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